Campact

Allgemeine Informationen

Selbstbeschreibung: „Campact ist eine Bürgerbewegung, mit der […] Menschen für progressive Politik streiten.“[1]

Campact wurde 2004 als eingetragener Verein gegründet. Gründer und Geschäftsführer Christoph Bautz schrieb 2008, es gebe fünf Kriterien, nach denen Campact Kampagnenthemen auswählt: Skandalisierbarkeit, konkrete politische Entscheidung, Kooperationspartner, Anschlussfähigkeit und Gewinnbarkeit.[2]

Personen

Der Verein hat 12 Mitglieder, die jährlich gewählt werden.[3] Campact beschäftigte 2019 neben studentischen Hilfskräften, Praktikanten und FSJlern 80 fest angestellte Mitarbeiter auf 64 Vollzeitstellen;[4] seitdem stieg die Zahl der Mitarbeiter weiter auf nun 100.[5]

Gründer und zentrale Figuren

  • Christoph Bautz, 2004 Gründung von Campact, seitdem Geschäftsführender Vorstand, vorher NABU, Attac und Bewegungsstiftung.
  • Dr. Felix Kolb, 2004 Gründung von Campact, seit 2008 Geschäftsführender Vorstand, vorher Attac und Bewegungsstiftung.
  • Dr. Günter Metzges, 2004 Gründung von Campact, Geschäftsführender Vorstand bis 2016.
  • Daphne Heinsen, seit 2017 Geschäftsführerin und seit 2018 Geschäftsführender Vorstand.
  • Dr. Astrid Deilmann, seit 2020 Geschäftsführerin, vorher WWF und Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Finanzierung

Campact lehnt die Annahme staatlicher Fördermittel ab und finanziert sich nach eigenen Angaben aus Spenden und Förderbeiträgen.[6] Die Gemeinnützigkeit wurde Campact 2019 aberkannt.[3][7]

Einnahmen

Die folgende Aufstellung orientiert sich an den Transparenzberichten von Campact.[6]

JahrEinnahmen
201912 163 791 €
201810 134 000 €
20178 373 637 €
20168 889 112 €
20157 009 898 €
20145 678 000 €
20132 765 000 €
20122 015 000 €
20112 042 000 €
20101 885 000 €
20091 284 000 €
2008678 000 €
2007366 000 €
2006219 000 €
200572 000 €

Gehälter

Die Mitglieder der Geschäftsführung erhalten 6 518 € brutto im Monat.[8]

Finanzierung anderer Organisationen

Diese Angaben sind den Transparenzberichten von Campact entnommen.[6] Hier werden nur Organisationen aufgelistet, die mindestens 20 000 € in einem Jahr erhalten haben.

Deutschland

  • NaturFreunde (2016: 560.582 €; 2015: 265.155 €; 2018: 70.000 €; 2019: 295.000 €)
  • WeMove Europe (2018: 200.000 €; 2016: 530.000 €; 2019: 100.000 €)
  • Mehr Demokratie (2017: 82.000 €; 2016: 120.000 €; 2015: 50.000 €)
  • Lobby Control (2017: 80.000 €; 2016: 80.000 €; 2015: 50.000 €)
  • openPetition gGmbH (2018: 140.000 €)
  • Pro Asyl (2015: 100.000 €)
  • Forum Umwelt und Entwicklung (2016: 71.000 €; 2018: 52.000 €)
  • NEO Philanthropy Action Fund, Inc. (2018: 116.311 €)
  • Mensch Mensch Mensch e. V. (2018: 77.000 €)
  • Ich bin hier e. V. (2018: 75.000 €; 2019: 100.000 €)
  • Gesellschaft für Freiheitsrechte e. V. (2018: 70.000,00 €)
  • Kulturbüro Sachsen e. V. (2018: 67.500,00 €)
  • BUND (2015: 63.737 €)
  • Amadeu Antonio Stiftung (2015: 40.000; 2018: 23.500 €; 2019: 65.000 €)
  • Digitalcourage e. V. (2018: 55.000 €; 2019: 50.000 €)
  • Stiftung do (2015: 40.000 €)
  • GetUp (37.000 €)
  • COMM e. V. (2018: 30.190 €)
  • Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) e. V. (2018: 27.000 €; 2019: 27.000 €)
  • Fearless Democracy e. V. (2018: 25.000 €)
  • Verein für Protest- und Bewegungsforschung (2016: 20.000 €)
  • Allianz Rechtssicherheit für politische Willensbildung e.V. (2019: 50.000 €)
  • GLS Treuhand e. V. (2019: 160.000 €)
  • HateAid gGmbH (2019: 100.000 €)
  • Aurelia-Stiftung (2019: 40.000 €)
  • Deutscher Naturschutzring e. V. (2019: 36.000 €)

Andere Länder

  • Open Petition (2017: 140.000 €; 2016: 148.000 €; 2015: 140.000 €; 2019: 105.000 €)
  • Aufstehn (Österreich) (2017: 85.000 €; 2016: 97.000 €; 2015: 25.000 €; 2018: 42.000 €; 2019: 80.000 €)
  • OPEN – online progressive engagement network (2017: 87.215 €; 2016: 41.178 €; 2015: 41.069 €; 2019: 125.475 €)
  • Skiftet (Schweden) (2017: 42.000 €; 2016: 50.000 €; 2015: 70.000 €)
  • Uplift (Irland) (2016: 46.500 €; 2015: 50.000 €; 2018: 41.500 €; 2019: 45.000 €)
  • Action Station (Neuseeland) (2017: 27.849 €; 2015: 50.000 €)
  • De Goede Zaak (Niederlande) (2017: 60.000 €; 2018: 62.000 €; 2019: 75.000 €)
  • Fundacja Akcja Demokracja (Polen) (2017: 34.400 €; 2015: 25.000 €; 2018: 43.600 €; 2019: 40.000 €)
  • Le Mouvement (Frankreich) (2018: 63.000 €; 2019: 63.000 €)
  • Leadnow (Kanada) (2016: 57.970 €)
  • PROGRESSI (Italien) (2015: 50.000 €)
  • SumOfUS (USA) (2015: 50.000 €)
  • Zazim (Israel) (2016: 30.000 €)
  • De-clic (Rumänien) (2016: 25.000 €)
  • Indians for Civic Action (Indien) (2017: 22.500 €)
  • Amandla.mobi (Südafrika) (2019: 30.000 €)
  • Campax (Schweiz) (2019: 52.250 €)
  • Indians for Collective Action (USA) (2019: 22.250 €)
  • Transnational Institute (Niederlande) (2019: 20.000 €)

Kritik

Finanzierung

Das European Center for International Political Economy kritisierte 2016, dass Campact Spenden unter 5 000 € nicht ausweise. Dadurch könne es Unterstützern, die Sonderinteressen haben, möglich sein, durch Stückelung ihre Zuwendungen zu verschleiern. Diesen Mangel an Transparenz kritisiert die Studie insbesondere vor dem Hintergrund der Vorwürfe, die Campact selber gegenüber anderen erhebt.[9] Die Pressestelle von Campact legte in einer Mitteilung vom 1. Februar 2019 wert auf die Feststellung, dass auch Spenden unter 5 000 € ausgewiesen werden. Dies trifft ab dem Transparenzbericht 2016 ↗︎ zu, nicht jedoch für den Transparenzbericht 2015 ↗︎.

Der Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer (CDU) forderte 2015 den Entzug der Gemeinnützigkeit für Campact: „Die Abgabenordnung hält das Verfolgen von politischen Zwecken für unvereinbar mit der Gemeinnützigkeit. […] Wenn ich mir die Aktivitäten von Campact ansehe, dann geht es ausschließlich um Tagespolitik.“[10] 2019 wurde Campact die Gemeinnützigkeit tatsächlich wegen der überwiegend allgemeinpolitischen Tätigkeit entzogen.[11][7] Gründer Christoph Bautz kommentierte später, dies gebe Campact mehr Flexibilität; so sind ohne Gemeinnützigkeitsstatus auch offene Kampagnen gegen Parteipolitiker möglich.[5]

In einem Artikel des Cicero wird ein anonymer Mitarbeiter einer Organisation zitiert, die mit Campact zusammenarbeitet: „Wir stellen die Inhalte, Campact kassiert die öffentliche Aufmerksamkeit und vor allem: das Geld der Spender.“[12]

Governance

Christoph Seils kritisiert in einem Artikel des Cicero den Mangel an demokratischer Mitbestimmung: „In dem Verein, der in seinen Kampagnen gerne die Fahne der Bürgerbeteiligung schwingt, herrscht vor allem Zentralismus. „Bürger machen selber Politik“ heißt das Motto von Campact, doch innerhalb der Organisation wird von oben nach unten durchregiert. Kein Konsens­prinzip soll die Schlagkraft lähmen oder das Geschäftsmodell stören. Anders als beim amerikanischen Vorbild move.on dürfen die Campact-Unterstützer bei der Auswahl der Kampagnen nicht mitentscheiden.“ Außerdem bemängelt er den Mangel an Kontrolle: „Campact hat nicht nur ein Demokratieproblem, sondern es existiert auch keine unabhängige Kontrolle. Der eingetragene Verein Campact hat insgesamt nur zwölf Mitglieder. Acht dieser Mitglieder sind direkt oder indirekt vom geschäftsführenden Vorstand, also von Kolb, Bautz und Metzges abhängig. Von denen also, die sie eigentlich kontrollieren sollen. Nur vier Vereinsmitglieder werden von den 40 000 Campact-Unterstützern auf einem jährlichen Treffen bestimmt. Vier weitere Vereinsmitglieder benennt der Vorstand. Förderer und Mitarbeiter dürfen diese lediglich bestätigen. Die restlichen vier Vereinsmitglieder wählen die Campact-Mitarbeiter. Die wiederum sind arbeitsrechtlich den drei geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern unterstellt.“[12]

Datenschutz

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten Anfang September 2015 über Verstöße gegen die Datenschutzrichtlinie. Daraufhin leitete die Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen ein Verfahren gegen die Organisation ein.[13]

Faktentreue

Der damalige baden-württembergische Minister für Bundesrat, Europa und internationale Beziehungen, Peter Friedrich (SPD), kritisierte im September 2015: „mit kontrafaktischen Behauptungen und Zuspitzungen Stimmung zu erzeugen.“[13]

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese beklagte 2016: „Was mich gestört hat im Dezember 2014, da wurde suggeriert über Campact, dass angeblich eine Abstimmung in der SPD-Bundestagsfraktion zum Freihandelsabkommen CETA, man musste sagen dass Campact da eine Falschmeldung gestreut hat, es hat keine Abstimmung gegeben.“[14]

In einem Artikel auf Zeit Online schreibt Steffen Dobbert über Campact: „Im Kampf um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung agiert Campact wie ein Dienstleistungsunternehmen für Lobbyverbände, Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen.“ und beklagt, dass „Campact und andere Aktivisten mehr Menschen und Medienresonanz erreichen als jene Fakten, die von der EU-Kommission veröffentlicht werden.“[15]

Die FAZ-Journalistin Lisa Nienhaus bemerkt 2014 kritisch: „Campact meint es ernst und seine Anhänger noch viel mehr. Im Videowettbewerb gegen das Freihandelsabkommen mit Amerika, zu dem Campact aufgerufen hatte, sieht man das in den Beiträgen. Die Filme schüren teilweise abstruse Ängste.“[16]

In einer Studie für die Konrad-Adenauer-Stiftung konstatiert Matthias Bauer: „Stilmittel der Spekulation und Übertreibung sowie die Emotionalisierung abstrakter Sachverhalte werden erfolgreich in der Formulierung kreativer Botschaften angewendet.“[17]

Belege

  1. Startseite ↗︎, campact.de, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  2. Campact: Demokratie in Aktion ↗︎, Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 21(1), S. 107–113. []
  3. Der Verein ↗︎, campact.de, abgerufen am 6. Juli 2021. [] []
  4. Transparenzbericht 2019 ↗︎ (S. 13), campact.de, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  5. Umfragen und Kampagnen: Wie Campact Abgeordnete der Union verhindern will ↗︎, Frankfurter Allgemeine Zeitung, online am 29. Juli 2021, abgerufen am 30. Juli 2021. [] []
  6. Finanzen ↗︎, campact.de, zuletzt abgerufen am 6. Juli 2021. [] [] []
  7. Keine Spendenbescheinigung: Nach Attac verliert auch Campact den Status der Gemeinnützigkeit ↗︎, Die Welt, online am 21. Oktober 2019, abgerufen am 6. Juli 2021. [] []
  8. Transparenzbericht 2019 ↗︎ (S. 60), campact.de, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  9. Manufacturing Discontent ↗︎, ecipe.org, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  10. Nach Berichterstattung unserer Zeitung: Linke Lobbytruppe kassiert Schlappe ↗︎, Stuttgarter Nachrichten, online am 10. Dezember 2015, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  11. Campact verliert Status der Gemeinnützigkeit ↗︎, Der Spiegel, online am 21. Oktober 2019, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  12. Protest-Organisation Campact: Die Empörungsmaschine ↗︎, Cicero, online 30. September 2015, abgerufen am 6. Juli 2021. [] []
  13. Demonstration gegen TTIP: Der (schein)heilige Krieg ↗︎, Stuttgarter Nachrichten, online am 5. September 2015, abgerufen am 6. Juli 2021. [] []
  14. Protestorganisation „Campact“: Bürgerinitiative oder linke Lobbytruppe? ↗︎, Deutschlandfunk, online am 20. Januar 2016, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  15. TTIP: Im Empörungswahn ↗︎, Die Zeit, online am 21. April 2016, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  16. Campact: Die Profi-Mobilisierer gegen den Freihandel ↗︎, Frankfurter Allgemeine Zeitung, online am 19. Juli 2014, abgerufen am 6. Juli 2021. []
  17. Emotionen statt Argumente: Hintergründe zu den Protesten gegen TTIP ↗︎, kas.de, abgerufen am 6. Juli 2021. []

2 Gedanken zu „Campact“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihre Informationen zu Campact sind nicht korrekt.

    Spender und Spenderinnen, die über 5.000 Euro geben, werden im Campact-Transparenzbericht (Im Jahresbericht) sehr wohl ausgewiesen (siehe Seite 45): https://blog.campact.de/wp-content/uploads/2018/08/180816_Campact_TransparenzberichtV2017.pdf.

    Damit ist die Finanzierung von Campact aus privaten Spenden wesentlich transparenter als die des Prometheus-Instituts.

    Freundliche Grüße
    Svenja Koch
    Campact-Pressesprecherin

    Antworten
  2. Sie zitieren eine Kritik an Campact, nach der diese Organisation Spenden unter 5.000 Euro nicht ausweist. Danach könnte man erwarten, dass Prometheus seine Finanzierung detailliert transparent macht. Wo kann ich Informationen erhalten wie sich Prometheus finanziert? Auf der Webseite von Prometheus habe ich bislang nur allgemein gehaltene Hinweise gefunden. Kein einziger Spender wird genannt.

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