Foodwatch e. V.

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Allgemeine Informationen

Selbstdarstellung: “foodwatch entlarvt die verbraucherfeindlichen Praktiken der Lebensmittelindustrie und kämpft für das Recht der Verbraucherinnen und Verbraucher auf qualitativ gute, gesundheitlich unbedenkliche und ehrliche Lebensmittel.[…] foodwatch ist ein gemeinnütziger Verein, dem jede und jeder beitreten kann.”1 foodwatch e.V. wurde 2002 von Thilo Bode, dem ehemaligen Geschäftsführer von Greenpeace gegründet. Es gibt Büros in Berlin und in Amsterdam (seit 2010) und Paris (seit 2014).


Personen

Foodwatch hat 20 Mitarbeiter, entsprechend 17,4 Vollzeitäquivalenten.

Gründer und zentrale Figuren

Thilo Bode, 1989-1995 Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, 1995-2001 Geschäftsführer von Greenpeace International, 2002 Gründung von foodwatch, 2002-2017 Geschäftsführer von foodwatch Deutschland, seit 2017 Direktor von foodwatch International.

Martin Rücker, 2009-2017 Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von foodwatch, seit 2017 Geschäftsführer von foodwatch Deutschland.


Finanzierung

Foodwatch lehnt die Annahme staatlicher Fördermittel ab und hat das Verbandsklagerecht.

Einnahmen

Die Angaben sind der Website von Foodwatch entnommen.2

2017: 3.157.036 €
2016: 3.105.685 €
2015: 2.884.963 €
2014: 2.333.916 €
2013: 2.032.633 €
2012: 1.924.552 €

Der Anteil an Förderbeiträgen und Spenden variiert zwischen 96 % (2013) und 86 % (2015). “Großspenden, Erbschaften und Stiftungen” bewegen sich zwischen 8 % (2016: 261.317 €) und 2 % (2013: 35.508 €).

Gehälter

Ausweislich der Website von Foodwatch erhält der Geschäftführer 6.500 € brutto im Monat.3


Kritik

Finanzierung

Laut eigenen Angaben betrug das Startkapital “rund 1,5 Mio. Euro und wurde in den ersten drei Jahren zum Aufbau der Organisation eingesetzt. Etwa ein Drittel davon waren langfristige Darlehen von der GLS Gemeinschaftsbank und von Privatpersonen. Zuschüsse für die Anschubinvestitionen kamen außerdem von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft in Bochum, von Rolf Gerling, Clemens Haindl, Alfred Ritter und Karl-Ludwig Schweisfurth.”4 Bei Alfred Ritter und Karl-Ludwig Schweisfurth handelt es sich um Lebensmittelunternehmer. Ritter ist Eigentümer der Alfred Ritter GmbH & Co. KG (“Ritter Sport”). Schweisfurth war bis 1984 Leiter des Fleischwarenunternehmens Herta GmbH, seitdem setzt er sich für nachhaltige ökologische Landwirtschaft ein.

Faktentreue

Laut eines Artikels in der Welt (19.5.2013) stand schon fest, welches Unternehmen den “Goldenen Windbeutel” überreicht bekommen solle, ehe die entsprechende Online-Abstimmung beendet war.5

Übertreibungen und Skandalisierung

Der Journalist Thilo Spahl beschäftigt sich in einem Artikel in Novo Argumente ausführlich mit gesundheitlichen Risiken, die von Foodwatch thematisiert werden. Dabei kritisiert er die Übertreibungen, die im Zusammenhang mit bestimmten Stoffen gemacht werden, u. a. Acrylamid, Dioxin und Glyphosat.6

Der Lebensmittelchemiker und Sachbuchautor Udo Pollmer kritisierte in einem am 12.12.2015 im Focus erschienenen Artikel: „Die Ahnungslosigkeit der Verbraucher wird in wirtschaftliche und politische Macht von Foodwatch umgemünzt.“7

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Peter Wippermann kritisiert in einem Artikel der Welt vom 19.5.2013: “Es gibt vieles, was man in der Ernährungsbranche kritisieren könnte. Aber echte Skandale werden von Foodwatch ja gar nicht verfolgt … Sie greifen in Wirklichkeit nur das Marketing an und machen sich so zum Vormund des Verbrauchers.”8

Jörg Waldeck, zu dem Zeitpunkt Geschäftsführer der Agentur Momentum, wird zitiert in einem Artikel der Welt am 19.05.2013: „Während andere NGOs zunehmend auf Dialog und Kooperationen setzen, fährt Foodwatch häufig eine reine Konfliktstrategie“. Harald Melwisch von der Firma Unilever kritisierte: “„Es hat Treffen und Gespräche mit Foodwatch gegeben. An einem konstruktiven Dialog ist die Organisation aber nicht interessiert. … Im Vergleich mit anderen Nichtregierungsorganisationen ist dieses Verhalten uneffektiv. Inhaltlich erreicht Foodwatch gar nichts.“ Der Unternehmer Claus Hipp äußerte: “„Es muss Kritik geben, und es muss auf Dinge hingewiesen werden, die nicht korrekt laufen… wenn es aber nur um durchsichtige Geschäftemacherei geht und darum, mit jedem Mittel Aufmerksamkeit zu erzielen, ist dem Verbraucher weniger gedient.“9

Die damalige Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner warf Foodwatch-Gründer Thilo Bode in einem Gespräch mit der Wirtschaftswoche am 06.11.2010 vor, von „Skandalisierung“ zu leben: „Das ist sein Geschäftsmodell,um möglichst viele Mitglieder und Spendengelder zu gewinnen. Kampagnen, die ein Klima der Verunsicherung schüren, halte ich für bedenklich.“10

In einer Rezension von Bodes Buch “Die Demokratie verrät ihre Kinder” in der taz vom 20.05.2003 schreibt Detlef Gürtler: “Heuchlerischer hätte der Titel kaum sein können. Denn Bode verrät die Demokratie. Es ist eine gruselige Ideologie, die der langjährige Greenpeace-Manager verbreitet. Abgrundtiefe Verachtung für die repräsentative Demokratie, die politischen Parteien und alle Interessengruppen (‘Lobbykratie’) – bis auf die Guten natürlich, die Lobbyisten des Gemeinwohls, die NGOs … Bode propagiert nichts weniger als die Kapitulation der Zivilgesellschaft vor der Macht der Straße.”11


Rechtsstreitigkeiten

Foodwatch wollte der Firma Unilever untersagen, das Produkt Becel pro.activ mit dem Hinweis auf cholesterinsenkende Wirkungen zu vertreiben. Das Landgericht Hamburg gab dieser Klage am 14.12.2012 nicht statt, das Oberlandesgericht wies eine Berufung am 01.09.2015 ab, der Bundesgerichtshof am 29.09.2016.12


  1. https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/mission/
  2. https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/transparenz-bei-foodwatch/finanzen/
  3. https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/transparenz-bei-foodwatch/fragen-und-antworten/
  4. https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/der-verein/finanzen/anschubfinanzierung/
  5. https://www.welt.de/wirtschaft/article116328260/Nahrungs-Lobby-wehrt-sich-gegen-Foodwatch.html
  6. https://www.novo-argumente.com/artikel/foodwatch_und_die_gifte
  7. https://www.focus.de/magazin/archiv/politik-und-gesellschaft-protest-macht-kasse_id_5146396.html
  8. https://www.welt.de/wirtschaft/article116328260/Nahrungs-Lobby-wehrt-sich-gegen-Foodwatch.html
  9. https://www.welt.de/wirtschaft/article116328260/Nahrungs-Lobby-wehrt-sich-gegen-Foodwatch.html
  10. https://www.wiwo.de/politik/deutschland/lebensmittel-aigner-kritisiert-konzerne-spekulanten-und-verbraucherorganisation/5695562.html
  11. http://www.taz.de/!772839/
  12. https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/bgh-lehnt-revision-im-prozess-um-unilevers-becel-proactiv-ab-foodwatch-fordert-entzug-der-lebensmittelzulassung-fuer-cholesterinsenkende-margarine/