Oxfam Deutschland

Allgemeine Informationen

Selbstbeschreibung: „Oxfam ist eine globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die mit Überzeugung, Wissen, Erfahrung und vielen Menschen leidenschaftlich für ein Ziel arbeitet: eine gerechte Welt ohne Armut.“[1]

Oxfam wurde 1942 in Großbritannien gegründet. Seit 1995 gibt es den Verein Oxfam Deutschland e. V.,[1] zu dem auch als hundertprozentiges Tochterunternehmen die Oxfam Deutschland Shops gGmbH gehört, die 55 Second-Hand-Läden betreibt und Oxfam „durch die Bereitstellung von Service-Leistungen im Finanz-, Personal- und IT-Bereich“ unterstützt.[2]

Personen

Der Verein hat 18 Mitglieder und beschäftigte 2019/20 im Jahresdurchschnitt 115 Mitarbeiter; die Shops haben 60 hauptamtliche Mitarbeiter.[3][4][5]

Gründer und zentrale Figuren

  • Marion Lieser, Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende des Vereins.
  • Jan Heser, Geschäftsführender Vorstand des Vereins und seit 2017 Geschäftsführer der Shops.
  • Andrew Hammett, 1. Aufsichtsratsvorsitzender und Gründungsmitglied.
  • Christel Kaestner, bis 2017 Geschäftsführerin der Shops.
  • Paul Bendix, 2007–2011 Geschäftsführer.
  • Jörn Kalinski, 1998–2000 Geschäftsführer.
  • Isabel Scholes, 1997–1998 Geschäftsführerin.
  • Wyndham James, bis 1997 Geschäftsführer.

Finanzierung

Oxfam verzeichnete in den vergangenen Jahren eine deutliche Steigerung an Einnahmen aus öffentlichen Mitteln: Lag der Anteil öffentlicher Mittel im Jahr 2004 noch bei 6,3 %, so stieg er über 32,2 % im Jahr 2014 auf 67,8 % im Wirtschaftsjahr 2019/20.[6] Im Jahresbericht 2017/18 wird dieser Anstieg kommentiert: „Bei den Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln handelt es sich um Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), des Auswärtigen Amtes (AA), der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), des Umweltbundesamtes und der Europäischen Union. Dank der verstärkten Zusammenarbeit im Oxfam-Verbund konnten diese Zuwendungen im Berichtsjahr um 9,3 Mio. € auf über 24 Mio. € gesteigert werden.“[7]

Einnahmen

Die folgenden Angaben orientieren sich an den Jahresberichten von Oxfam:[6]

JahrSpendenStaatliche Förderungandere OrganisationenOxfam ShopsSonstigesSumme
2019/205 871 894 €22 643 750 €1 652 306 €2 200 000 €1 021 812 €33 389 763 €
2018/194 797 401 €20 063 773 €1 099 322 €2 450 000 €1 180 776 €29 591 274 €
2017/185 964 769 €24 258 831 €1 507 212 €2 450 000 €1 019 892 €35 200 704 €
2016/174 055 467 €14 984 919 €1 632 147 €2 450 000 €411 639 €23 533 175 €
20154 184 152 €4 630 765 €2 046 296 €2 350 000 €149 045 €13 360 746 €
20143 084 583 €3 309 067 €919 127 €2 800 000 €152 672 €10 265 448 €
20132 832 179 €2 185 656 €651 072 €2 700 000 €138 916 €8 507 822 €
20122 548 331 €1 797 679 €305 929 €2 500 000 €109 238 €7 261 177 €
20112 949 219 €831 609 €238 806 €2 200 000 €109 234 €6 328 867 €
20102 477 662 €930 366 €524 103 €2 000 000 €112 065 €6 044 196 €
20091 172 713 €757 468 €682 435 €1 800 000 €130 955 €4 543 571 €
2008828 984 €762 634 €601 892 €1 500 000 €25 729 €3 719 239 €
2007623 804 €**1 000 000 €36 996 €2 875 053 €
2006523 597 €414 536 €377 045 €800 000 €11 673 €2 126 850 €
20051 325 500 €192 299 €342 879 €500 000 €26 493 €2 387 171 €
2004331 199 €65 452 €250 425 €380 000 €3 084 €1 033 160 €
*Für das Jahr 2007 wurden in den Jahresberichten Zuwendungen von anderen Organisationen und staatliche Förderung nicht einzeln aufgeführt, der Gesamtbetrag belief sich auf 1 214 253 €.

Gehälter

Die geschäftsführende Vorsitzende des Vereins bezog im Wirtschaftsjahr 2019/20 ein Gehalt von 110 000 €; der Geschäftsführer der Shops 100 000 €.[8]

Kritik

Faktentreue

Der immer wieder von Oxfam angestellte Vergleich, bei dem die Hälfte der Weltbevölkerung den Menschen gegenübergestellt wird, die über genau so viel Vermögen verfügen, wird häufig kritisiert und in seiner Methodik in Frage gestellt.[9][10][11][12] Der österreichische Ökonom Franz Schellhorn stellte 2019 fest: „Oxfam selbst ist nach der von ihr definierten Methodik mit einem Jahresetat von einer Milliarde Euro und 400 Millionen auf der hohen Kante fast so reich wie 3,8 Milliarden Menschen oder die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.“[13]

Der Wirtschaftsethiker Ingo Pies kritisiert die Kampagnen von Oxfam und anderen gegen Nahrungsmittelspekulation: „Gerade dann, wenn man das moralische Anliegen ernst nimmt, die globale Lebensmittelversorgung zu verbessern, gelangt man zu völlig anderen Schlussfolgerungen, sobald man zur Kenntnis nimmt, welchen Erkenntnisstand die jüngere Forschung zu diesem Thema hervorgebracht hat.“[14]

Belege

  1. Oxfam Deutschland ↗︎, oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. [] []
  2. Über uns ↗︎, shops.oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  3. Die Struktur von Oxfam Deutschland ↗︎, oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  4. Der Verein ↗︎, oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  5. Bereiche & Organigramm ↗︎, shops.oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  6. Jahresberichte, Publikationen ↗︎, oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. [] []
  7. Jahresbericht 2017/18 ↗︎ (S. 33), oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  8. Jahresbericht 2019/20 ↗︎ (S. 35), oxfam.de, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  9. Oxfam: Nein, acht Menschen besitzen nicht so viel wie die Hälfte der Welt ↗︎, Süddeutsche Zeitung, online am 16. Januar 2017, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  10. Ja, wir haben ein Verteilungsproblem! ↗︎, Neue Zürcher Zeitung, online am 21. Januar 2017, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  11. Oxfam-Bericht zu Ungleichheit: Der Skandal ist die Armut ↗︎, Frankfurter Allgemeine Zeitung, online am 16. Januar 2017, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  12. Ungleichheit: Warum die Oxfam-Studie in die Irre führt ↗︎, Handelsblatt, online am 16. Januar 2017, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  13. Armutsprofiteur Oxfam ↗︎, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. Januar 2019, online auf agenda-austria.at, abgerufen am 1. Juli 2021. []
  14. Lebensmittelpreise: Die Moral der Agrar-Spekulation ↗︎, Frankfurter Allgemeine Zeitung, online am 31. August 2012, abgerufen am 1. Juli 2021. []

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